Vererbung und soziales Lernen über verschiedene Ebenen hinweg
Phänotypen werden nicht nur durch Gene bestimmt. Wir untersuchen, wie extragenetische Formen der Vererbung – insbesondere kulturelle Weitergabe durch soziales Lernen sowie ökologische Vererbung von Streifgebieten und Territorien – mit sozialem Verhalten, Ökologie und genetischer Evolution zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen.
Die Forschungsgruppe Inheritance & Social Learning Across Scales (ISLaS) unter der Leitung von Brendan Barrett untersucht diese Fragen über große räumliche (vom Streifgebiet bis zum Kontinent) und zeitliche Skalen (über eine Lebensspanne bis über Generationen hinweg). Unser Ziel ist es, quantitative Theorie mit reproduzierbarer statistischer Modellierung zu verbinden. Grundlage ist ein fundiertes Verständnis von Naturgeschichte und Ethnographie.
In unserer Arbeit integrieren wir Ansätze aus kultureller Evolution, Verhaltensbiologie, Populationsbiologie, Raumökologie und den quantitativen Sozialwissenschaften. Wir nutzen und schätzen langfristige Datensätze zu Verhalten, Bewegung und Demografie. Erkenntnisse aus direkt beobachteten Langzeit-Feldstudien helfen uns, Fernerkundungsmethoden zur Untersuchung von Tierverhalten und Populationsökologie über das gesamte Verbreitungsgebiet einer Art zu entwickeln und zu validieren. Ein besonderer Fokus liegt auf Primatenpopulationen, die nicht an Menschen gewöhnt sind. Neben der Grundlagenforschung spielt Methodenentwicklung eine zentrale Rolle in unserer Gruppe. Von besonderer Bedeutung sind dabei Bayes’sche Datenanalyse und Computer Vision. Unser Ziel ist die Entwicklung analytischer und datenverarbeitender Werkzeuge, die von der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft genutzt werden können.
Wir kooperieren mit der Abteilung für Ökologie der Tiergesellschaftendes Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie (MPI-AB) sowie dem Smithsonian Tropical Research Institute. Häufig arbeiten wir mit wilden Kapuzineraffen der Gattungen Cebus und Sapajus. Darüber hinaus untersuchen wir kulturelle Übertragung, territoriale Vererbung und verwandte Fragestellungen in vielen weiteren Taxa. Unser Ansatz ist systemorientiert. Wir betrachten biologische Prozesse im Zusammenhang und identifizieren Verbindungen zwischen scheinbar unterschiedlichen Disziplinen. Wenn Sie mit einem System arbeiten, das gut zu unseren Forschungsinteressen passt, und an einer Zusammenarbeit interessiert sind, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.
Zentrale Forschungsthemen unserer Gruppe
- Wie Inselökologie soziales Verhalten beeinflusst und die Entstehung sowie Verbreitung von Verhaltensinnovationen und kultureller Vielfalt fördert
- Wie und warum sich Lernen über die Lebensspannne verändert
- Gen-Kultur-Koevolution und Anpassung bei inselbewohnenden Primaten
- Evolutionäre und ökologische Grundlagen der extraktiven Nahrungssuche
- Territoriale Vererbung und ihre Auswirkungen auf Fitness
- Konflikte um Raumnutzung innerhalb und zwischen Gruppen über Generationen hinweg
- Integration von kultureller Evolution und Bewegungsökologie
- Archäologische Primatologie und Werkzeuggebrauch


