Iain Couzin erneut unter den einflussreichsten Wissenschaftlern der Welt

Der Kollektivverhaltensforscher Iain Couzin ist 2021 zum vierten Mal in Folge in die Liste der "Global Highly Cited Researchers" aufgenommen worden.

16. November 2021
Iain Couzin, Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie

Prof. Dr. Iain Couzin wird gleich in mehreren Wissenschaftsbereichen als einer der weltweit führenden Forscher ausgezeichnet. Wie in den Jahren 2018, 2019 und 2020 erhält Iain Couzin die Ehrung. Lediglich 6602 Forschende weltweit, davon 331 aus Deutschland, dürfen sich im Jahr 2021 zu den meistzitiertesten Forschenden zählen, gemäß der jährlich von Clarivate Analytics veröffentlichten Liste Global Highly Cited Researchers. Die Namen der "Highly Cited Researchers" werden jährlich aus den Veröffentlichungen ermittelt, die im Web of Science™-Zitierindex zu den ersten 1 % der Zitate nach Fachgebiet und Publikationsjahr gehören.

Iain Couzin zählt zu den weltweit führenden Forscher*innen im Bereich der Verhaltensbiologie. Er ist unter anderem bekannt für den Einsatz von virtuellen Umgebungen, rechnergestützter Modellierung und Computer Vision zur Erforschung des Schwarmverhaltens von Tiergruppen. Zudem ist er Sprecher des Exzellenzclusters Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour (CASCB), Direktor des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie (MPI-AB) und Professor am Fachbereich Biologie der Universität Konstanz.

„Bereits zum vierten Mal in Folge wird Iain Couzin als einer der weltweit meistzitierten Wissenschaftler seines Forschungsbereichs aufgeführt. Das unterstreicht den außerordentlichen Einfluss, den der Verhaltensbiologe auf das Gebiet des tierischen Kollektivverhaltens hat“, spricht Prof. Dr. Katharina Holzinger, Rektorin der Universität Konstanz. „Charakteristisch für seine Arbeit sind nicht nur seine wissenschaftliche Expertise und sein Vorstoß hin zu neuen Technologien. Ganz entscheidend ist auch sein Verständnis, Forschungsfragen prinzipiell mit einer interdisziplinären Perspektive anzugehen. Auf diese Weise trug er maßgeblich zur Entwicklung des Forschungsschwerpunkts ‚Kollektives Verhalten‘ an der Universität Konstanz bei, einem internationalen Spitzenforschungszentrum zur Untersuchung von Schwarmverhalten.“

Ehrung sei Verdienst des gesamten Teams
"Ich freue mich sehr, dass unsere Arbeit für ihren Einfluss innerhalb der Biologie, aber auch fachübergreifend anerkannt wird", sagt Couzin. "Ich hatte das außerordentliche Glück, im Laufe der Jahre mit so vielen brillanten jungen Forscher*innen in meiner Gruppe zusammenarbeiten zu können. Die Ehrung ist insbesondere eine große Anerkennung ihrer Kreativität und Energie."

Die Auszeichnung zeigt das wachsende Interesse für die Erforschung von Kollektivverhalten, wie Couzin unterstreicht: "Kollektives Verhalten erstreckt sich über weite Bereiche der biologischen und physikalischen Organisation. Die Erkenntnis, dass es zugrundeliegende Prinzipien der Selbstorganisation gibt, die sowohl in physikalischen als auch in natürlichen Systemen zu Struktur, Ordnung und Komplexität führen, setzt sich immer mehr durch. Dies spiegelt sich in dem Interesse an unserer Arbeit im gesamten wissenschaftlichen Spektrum wider, da diese Prinzipien natürlich disziplinübergreifend sind.“

Couzins Forschung lebt von fächerübergreifender Zusammenarbeit
Die Global Highly Cited Researchers-Liste wird in unterschiedliche Disziplinen unterteilt. Couzin wird in der Kategorie "Cross field" [fächerübergreifend] genannt. In diesem Bereich werden Personen ausgezeichnet, die hoch zitierte Arbeiten in gleich mehreren Fachgebieten veröffentlichen. Multidisziplinarität ist auf dem Gebiet der Erforschung von Kollektivverhalten sehr wichtig, wie Couzin betont: "Ich bemühe mich, ein integratives, offenes und vielfältiges Forschungsumfeld zu schaffen." Seine Teammitglieder bringen die unterschiedlichsten akademischen Hintergründe mit, darunter Ökologie, Psychologie, Neurowissenschaften, Informatik, Ingenieurwesen, Physik, Mathematik und Architektur. "Unterschiedliche Perspektiven sind entscheidend, um kollektive Intelligenz zu erreichen, und bieten uns die wunderbare Gelegenheit, jeden Tag etwas Neues zu lernen“, sagt Couzin. Dieser Ansatz sei für ihn „das Herzstück von allem, was wir an der Universität Konstanz tun“. Unterstrichen wird das durch den multidisziplinären Exzellenzcluster und das weltweit einzigartige "Centre for Visual Computing of Collectives" (VCC), das im Oktober 2021 offiziell eröffnet wurde. Dort arbeiten und denken Forschende aus den unterschiedlichsten Disziplinen gemeinsam. „Hier wird ein Traum wahr und ich könnte mich nicht mehr auf die Zukunft hier freuen!"

Das Team von Couzin entwickelt Spitzentechnologie weiter
Couzins internationales und interdisziplinäres Team aus der Universität und dem MPI-AB entwickelt einige der fortschrittlichsten Technologien in der Verhaltensforschung. Dazu gehören neuartige Tracking-Systeme zur Tierbeobachtung, Deep Learning und Computer Vision sowie hochmoderne Einrichtungen für virtuelle Realität und Bildgebung, wie das mit 32 Millionen Euro geförderte Zentrum für Visual Computing of Collectives (VCC).

Iain Couzin ist Träger mehrerer international anerkannter Forschungspreise. Dazu zählen der Lagrange-Preis 2019 – eine internationale Auszeichnung im Bereich komplexer Systeme –, die Scientific Medal der Zoological Society of London 2013 und der National Geographic Emerging Explorer Award 2012. Er hat zahlreiche Publikationen in renommierten Fachzeitschriften wie Nature, Science und PNAS veröffentlicht, darunter "Emergent Sensing of Complex Environments by Mobile Animal Groups" von 2013 und "Inferring the structure and dynamics of interactions in schooling fish" von 2011.

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