Verdienstorden des Landes für Biologie-Professor Martin Wikelski

Martin Wikelski wurde mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet – Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hielt in Radolfzell die Laudatio auf den Direktor des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie und Honorarprofessor der Universität Konstanz.

2. September 2021

Martin Wikelski, Honorarprofessor der Universität Konstanz und Direktor des Max-Planck-Instituts (MPI) für Verhaltensbiologie, Radolfzell/Konstanz, ist Träger des Verdienstordens des Landes-Baden-Württemberg. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer überreichte ihn dem Biologen am heutigen Donnerstag, 2. September 2021, am MPI-Standort in Radolfzell.

Martin Wikelski erhielt den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg aus den Händen von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Martin Wikelski erhielt den Orden für seine Verdienste um die Wissenschaftskommunikation und den Aufbau des weltweit anerkannten Zentrums für Verhaltensbiologie. „Mit Ihren Forschungen haben Sie wertvolle Erkenntnisse darüber gewonnen, wie Tiere sich auf ihren mitunter langen Reisen orientieren und an ihr Ziel finden. Das ist wesentlich, nicht nur für den Schutz wandernder Tiere, sondern auch für das Zusammenleben des Menschen mit der Natur“, sagte die Ministerin in ihrer Laudatio.

Wikelski kommentierte die Auszeichnung wie folgt: "Ich fühle mich außerordentlich geehrt, diese Auszeichnung erhalten zu haben. Sie ist eine Anerkennung für die vielen Mitarbeitenden, die in den letzten zehn Jahren dazu beigetragen haben, dass dieser Standort zu einem der führenden Einrichtungen für Verhaltensbiologie geworden ist. Ihr Engagement, ihre Energie und ihre Visionen bildeten die Grundlage für dieses wissenschaftliche Institut, das hart daran arbeitet, die Entscheidungsfindung von Tieren in ihrer natürlichen Umwelt zu verstehen und vorherzusagen."

Von der Vogelwarte zum Zentrum für Verhaltensbiologie
Der Biologe kam 2008 von der Universität Princeton, USA, an die Universität Konstanz, wo er bis 2016 Professor für Ornithologie war. Gleichzeitig baute er als Direktor des damaligen Max-Planck-Instituts für Ornithologie die Vogelwarte in Radolfzell zu einem eigenständigen Zentrum für Verhaltensbiologie aus. „Martin Wikelski ist ein Glücksfall für das Land Baden-Württemberg“, betonte Theresia Bauer in Radolfzell. „Um die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen, wie den Verlust der Biodiversität und den Klimawandel, zu meistern, brauchen wir solche Forschungseinrichtungen. Und wir brauchen engagierte Wissenschaftler, die hochkarätige Forschung betreiben und sich mit mindestens ebenso großem Engagement dafür einsetzen, viele Menschen mit Ihrer Begeisterung für die Natur anzustecken.“

Die Ministerin ging auf das ICARUS-Projekt (International Cooperation for Animal Research Using Space) ein, das Martin Wikelski 2013 gründete. In diesem „Internet der Tiere“, wie ICARUS auch genannt wird, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem Ziel zusammen, ein satellitengestütztes System zur Beobachtung kleiner Tiere wie Vögel, Fledermäuse oder Wasserschildkröten zu entwickeln. Diese Erkenntnisse dienen der Verhaltensforschung, dem Artenschutz und der Erforschung der Ausbreitungswege von Infektionskrankheiten bis hin zur Vorhersage von ökologischen Veränderungen und Naturkatastrophen. Beteiligt an ICARUS, dem „Lebenswerk“ Martin Wikelskis, so die Ministerin, sind neben dem MPI für Verhaltensbiologie auch die Universität Konstanz, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos.

„Baden-Württembergs sichtbarster Biologe“
Dem unermüdlichen Engagement des Verdienstordensträgers sei es nicht nur zu verdanken, dass das Max-Planck-Institut Radolfzell/Konstanz zu einem Zentrum für moderne Verhaltensbiologie geworden sei, das talentierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt anziehe. Martin Wikelski sei darüber hinaus auch ein „begnadeter Kommunikator“. So erhielt er die Auszeichnung, die vom Ministerpräsidenten für herausragende Verdienste um das Land Baden-Württemberg verliehen wird, explizit auch für seine Verdienste um die Wissenschaftskommunikation. Er habe ein „echtes Interesse“ daran, einem breiten Publikum die Wunder der Natur zu vermitteln. Die Wissenschaftsministerin: „Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Sie Baden-Württembergs sichtbarster Biologe sind, der seine Begeisterung für die Natur weitergibt.“

Zu Martin Wikelski

Martin Wikelski ist Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie, Radolfzell/Konstanz. Seit 2016 ist er Honorarprofessor an der Universität Konstanz, zuvor war er seit 2008 hier Professor für Ornithologie. Seit seinem 1991 erlangten Diplom in Biologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und seiner Promotion 1994 an der Universität Bielefeld hat er zahlreiche namhafte Stationen durchlaufen: So war er zunächst Research Associate an der University of Washington, USA, gefolgt von seiner Postdoc-Zeit am Smithsonian Tropical Research Institute in Panama. Danach folgten mehrjährige Aufenthalte als Assistant Professor an der University of Illinois sowie an der Princeton University, beide USA. Mit seiner Professur an der Universität Konstanz wurde er gleichzeitig auch Direktor des damaligen Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell.

Neben reger Publikations- und Öffentlichkeitsarbeit ist Martin Wikelski in zahlreichen Verbänden engagiert. So ist er u.a. seit 2006 Gründer und Vorsitzender von „Movebank“, seit 2011 Vorsitzender der Migration Ecology Task Force on Wildlife Disease und Vizepräsident der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (2015-2019). Martin Wikelski hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten – etwa 2016 den Max-Planck-Forschungspreis der Max-Planck-Gesellschaft und Alexander von Humboldt-Stiftung. Seit 2014 ist er Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und seit 2017 Fellow der National Geographic Society, USA.

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