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Dr. Wolfgang Fiedler

Gruppenleiter
IMPRS Dozent
Abteilung für Tierwanderungen
Forschende
Forschungsgruppe Fiedler
+49 7732 1501-60
Radolfzell

Forschungsinteressen

Mein Interesse gilt in erster Linie der Phänologie von Vogelwanderungen sowie den mit dem Zugverhalten verbundenen Konsequenzen sowohl für den Vogel als auch für seine Umwelt. Zu ersterem Aspekt zählen morphologische Anpassungen des Flugapparates (Flügelform, Feinstrukturen am Vogelflügel) ebenso wie Verhaltensanpassungen z.B. hinsichtlich Zugweglänge, Zugstrategien und zeitlichem Ablauf der Wanderungen sowie deren Einpassung in den Jahreskalender, der ja auch Brut- und Mauserzeiten beinhaltet. Hinsichtlich der Auswirkungen des Vogelzuges auf die Umwelt interessieren mich derzeit vor allem die Samenverbreitung durch Fruchtfresser und die Verbreitung von Krankheitserregern durch Wasservögel.

Ich bin Leiter der Zentrale für Tiermarkierung ("Beringungszentrale Vogelwarte Radolfzell"), das sich weiterhin auf die Untersuchung des Bewegungsverhaltens von Vögeln durch individuelle Verfolgung oder andere Kennzeichnungsmethoden konzentriert.

Es wird beispielsweise erwartet, dass das Zugverhalten des Weißstorchs aufgrund stark schwankender Sterblichkeitsraten in den Überwinterungsgebieten in Mitteleuropa, im Mittelmeerraum und südlich der Sahara erhebliche Veränderungen erfahren wird, die einerseits durch klimawandelbedingte Veränderungen (Frost, Schneebedeckung, Niederschläge) und andererseits durch vom Menschen verursachte Veränderungen (Stilllegung von Mülldeponien als wichtige Nahrungsquelle, Veränderungen in der Landnutzung) flankiert werden. Mit elektronischen Ortungsgeräten, traditioneller Beringung und der Möglichkeit, mit zahlreichen Freiwilligen (letztendlich hochqualifizierten Bürgerwissenschaftlern) zusammenzuarbeiten, verfügt die Tiermarkierungszentrale über hervorragende Instrumente, um die Reaktionen der Störche auf die erheblichen Veränderungen der Umweltbedingungen zu erfassen und deren Einfluss auf das Zugverhalten und die Populationsentwicklung zu verstehen. Das nächste wichtige Ziel, das wir anstreben, ist eine Kombination aus klassischen Vogelringen und einem Ortungsgerät. Dieser „intelligente Ring“ soll von unseren ausgebildeten Amateur-Vogelberingern im Rahmen ihrer rechtlichen Befugnisse als Vogelberinger angebracht werden können. Durch die Integration von Ortungselektronik in gewöhnliche Vogelringe können wir viel größere Stichproben von markierten Individuen für langfristige und groß angelegte Studien über Vögel in ihrer natürlichen Umgebung erzielen. Nach erfolgreichen Tests in den Jahren 2024 und 2025 planen wir, 2026 mit einem Prototyp an mehreren 100 Weißstörchen aus verschiedenen Teilen der europäischen/nordafrikanischen Population zu beginnen.

In den letzten drei Jahren hat die Geflügelpest erstmals auch in Mitteleuropa messbare Schäden an Wildvogelpopulationen verursacht und ist in einigen Regionen endemisch geworden. Wasservögel (insbesondere Entenvögel, in jüngerer Zeit auch Möwen) spielen neben anthropogenen Übertragungswegen eine besondere Rolle als Reservoir und Vehikel für die Ausbreitung der Viren. In Zusammenarbeit mit Virologen und Epidemiologen soll durch die Probenahme und Verfolgung von Individuen der besonders bedeutenden Reservoirarten ein besserer Überblick über die deutlich erhöhten Auswirkungen der Krankheit auf Wildvögel gewonnen und an der Entwicklung sinnvoller Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit mitgearbeitet werden.

In einigen kleineren Studien führe Tracking-Projekte zu schützenswerten Vogelarten durch (derzeit Schwarzstorch, Rotmilan, Wespenbussard und Brachvogel in Deutschland, Weißbauchreiher in Bhutan, Geier in Ruanda). In diesen Projekten werden Bewegungsdaten benötigt, um Schutzmaßnahmen zu entwickeln oder zu bewerten, und die Behörden und Naturschutzverbände benötigen einen Kooperationspartner aus dem wissenschaftlichen Bereich. Dazu gehören auch rechtliche Fragen und der Zugang zu Amateurexperten. Ich denke, dass die Tiermarkierungszentrale und unser Institut genau über das erforderliche Fachwissen und die technischen Voraussetzungen verfügen.

Die Zentrale für Tiermarkierung ist intensiv an der Nutzung und Weiterentwicklung von Movebank beteiligt, insbesondere am Aufbau des Movebank-Museums. Die in den Telemetrie- und Beringungsprojekten gesammelten Daten werden bereits in praktischen Anwendungen wie dem Prognosetool für die Wahrscheinlichkeit von Vogelgrippeausbrüchen oder dem eurasisch-afrikanischen Vogelzugatlas genutzt oder dienen beispielsweise zur Schulung von Prognosemodellen für Kollisionen mit Windkraftanlagen. Dieser zentrale Dienst, der auf einer sehr offenen Datenpolitik basiert, die oft zu Forschungskooperationen als direktem Nutzen für das Institut führt, soll weiter ausgebaut werden.

Eine zentrale Aufgabe wird auch weiterhin darin bestehen, die notwendigen Voraussetzungen für den Einsatz hochqualifizierter Freiwilliger zu schaffen. Dies gilt nicht nur für das Angebot der Aus- und Weiterbildung der nach wie vor großen Zahl Interessierter, sondern auch für die Schaffung der administrativen und rechtlichen Grundlagen (insbesondere im Hinblick auf das Tierversuchsrecht) für den Einsatz von Freiwilligen in der modernen Vogelzugforschung.

Vita

  • 2008 bis Mai 2019 Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Ornithologie, seit Juni 2019 Wissenschaftler am neu daraus hervorgegangenen Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie.
  • Seit März 2000 Wissenschaftlicher Leiter der Beringungszentrale "Vogelwarte Radolfzell" am MPI für Ornithologie, später MPI für Verhaltenbsbiologie
  • Januar 2005 bis zur Umstrukturierung der Abteilungen 2008 Leiter der Vogelwarte Radolfzell am Max-Planck-Institut für Ornithologie
  • Januar 1998 - Dezember 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Peter Berthold am früheren Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, das mittlerweile zum MPIO umstrukturiert wurde

Ehrenämter

  • 1992 - 1998 Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe "Radolfzell-Singen-Stockach"
  • seit 1986 Sachverständiger für Fledermausschutz im Landkreis Konstanz
  • 1997 - 2016 Geschäftsführer des Freundeskreises der Biologischen Station Rybatschij / Rossitten
  • 2001 – 2017 Vorstandsmitglied der Europäischen Union für Vogelberingung (EURING), 2003 - 2011 als Generalsekretär, 2011 – 2017 als Vorsitzender
  • 2001 - 2005 Sekretär der European Ornithologists' Union (EOU)
  • 2002 - 2011 Generalsekretär der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G)
  • seit 2006 Mitglied des Komitees der Internationalen Ornithologen-Konferenz (IOC)
  • 2019 - 2024 Präsident der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G).
  • seit 2025 Mitglied des Rote-Liste-Gremiums der Vögel Deutschlands

Ausbildung

  • Februar 1994 - Dezember 1997 Dissertation am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, Abteilung "Vogelwarte Radolfzell". Titel: Der Flugapparat der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla): Erfassungsmethoden, intraspezifische Variabilität, geno- und phänotypische Varianz, Selektionsgründe und ökophysiologische Bedeutung
  • Juni - Dezember 1993 Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie und an der Biologischen Station Rybatschij des Instituts für Zoologie, St. Petersburg / Russland. Titel: Der Durchzug von Kleinvögeln in einem Rastgebiet in Rybatschij (Rossitten) auf der Kurischen Nehrung (Kaliningrad Gebiet, Russland)
  • Dezember Diplomprüfungen 1992 (Hauptfach: Zoophysiologie, Nebenfächer: Botanik, Geologie, Psychologie)
  • Oktober 1986 - Januar 1994 Studium der Biologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Deutschland


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