Minerva Fast Track Gruppe „Kultur und soziales Verhalten“
Kultur wird per Definition durch unsere Beziehungen zu anderen geprägt. Kultur umfasst alle Informationen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die wir durch soziales Lernen erwerben. Sie wird daher grundlegend durch soziale Interaktion beeinflusst. Diese Beziehungen beeinflussen, wie sich Kultur innerhalb und zwischen Gruppen verbreitet, während das kulturelle Repertoire einzelner Individuen bestimmt, wie und mit wem sie Bindungen eingehen. Unsere Minerva-Gruppe untersucht dieses dynamische Wechselspiel zwischen Kultur und Sozialverhalten bei Tieren, wobei der Schwerpunkt auf Primaten liegt.
Mithilfe von Kamerafallen, direkter Beobachtung, Feldexperimenten und Langzeitdatensätzen untersuchen wir, wie Kultur soziale Beziehungen sowohl auf individueller als auch auf Gruppenebene prägt. Stärkt das Teilen eines kulturellen Verhaltens soziale Bindungen? Übernehmen Tiere lokale Traditionen, um die soziale Integration zu erleichtern? Und wie tragen kulturelle Traditionen zum sozialen Zusammenhalt oder umgekehrt zur Gruppenzersplitterung bei? Um diese Fragen zu beantworten, kombinieren wir Forschungsarbeiten an verschiedenen Primatenarten im Freiland und in Gefangenschaft.
Durch den Vergleich von Arten, die sich in ihren sozialen Systemen und kulturellen Fähigkeiten unterscheiden, wollen wir besser verstehen, wie sich Kultur und Sozialverhalten gemeinsam entwickelt haben. Wichtig ist, dass sowohl kulturelles Wissen als auch soziale Bindungen zum Überleben beitragen können. Da Tierpopulationen zunehmend mit raschen, vom Menschen verursachten Umweltveränderungen konfrontiert sind, hat dieses Zusammenspiel wichtige Auswirkungen auf den Artenschutz. Kulturelle Vielfalt wird zunehmend als eine Form der Biodiversität anerkannt, die es zu bewahren gilt; die Einbeziehung der Auswirkungen von Kultur auf soziale Beziehungen könnte entscheidend sein, um das langfristige Fortbestehen wildlebender Populationen zu sichern.





